Logo herunterladen Hardtwaldklinik II
                               Fachklinik für Psychogene Krankheiten
         Hardtstr. 32 - 34596 Bad Zwesten - Telefon: 05626 - 88 - 0, TeleFax: 05626 - 88 - 1111

Informationen zu Krankheiten
Weitere Medizinische Informationen und Links -
speziell auch von
der Hardtwaldklinik 2 -  klicken Sie hier

Klinische Leiter

Die Situation der klinische n Leiter
einer psychotherapeutisch-psychosomatischen Fachklinik
 

Die stationäre psychotherapeutisch-psychosomatische Therapie wird aufgrund mangelnder Akutbetten, nicht wie in der medizinischen Versorgung üblich getragen von Akutkliniken, sondern von Fachkliniken. Diese Fachkliniken sind überwiegend Rehabilitationskliniken mit einer Belegung vorwiegend durch die Rentenversicherungsträger und dem Behandlungsziel einer Erhaltung oder Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit.

Klinische Leiter - in Rehakliniken

Trägerschaften dieser Kliniken sind traditionell weitgehend private Unternehmergruppen, die sich in ihrer Marktorientierung durch hohe wirtschaftliche Kompetenz und Flexibilität auszeichnen und dadurch die verschiedenen gesundheitspolitischen Krisen jeweils gut kompensieren konnten. 

Die klinische Realität der psychotherapeutisch-psychosomatischen Rehabilitationskliniken hat sich jedoch in den letzten Jahren deutlich verändert. Von dem primären psychotherapeutischen Behandlungsauftrag nach Konflikt- und Beziehungsorientierung verändert sich der Behandlungsauftrag zunehmend über den Rehabilitationsauftrag zu mehr Leistungsorientierung. Bei den privaten Trägerschaften zeigt sich eine stärkere wirtschaftliche Orientierung. Durch die wirtschaftspolitische Lage und die Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt verändert sich die Motivation der Patienten zu mehr Symptomorientierung, unter Einbeziehung der realen Arbeitssituation. 

Dadurch entsteht das Paradoxon, dass sich die eigentliche psychotherapeutisch-psychosomatische Aufgabe der Konfliktzentrierung und Beziehungsarbeit zunehmend in mehr lösungsorientiertes Fertigkeitstraining verschiebt, zentriert auf Symptombesserung mit dem Ziel einer gesteigerten Leistungsfähigkeit und klinischen Wirtschaftlichkeit. 

Dies bestimmt auch die Situation der Therapeuten, die in diesem Spannungsfeld zunehmend schwieriger wird.

Klinische Leiter - die Situation

Zu beobachten ist eine ständige Arbeitsverdichtung durch Verkürzung der Liegezeiten bei den Patienten auf vier bis sechs Wochen, bei gleichzeitig angestiegener Therapiedichte durch quantitative und qualitative Mindesttherapiestandards. Durch verstärkte Einführung von Kontrollmechanismen, auf der Trägerseite durch Zertifizierung, auf der Belegerseite durch Qualitätssicherungsmaßnahmen wie Peer Review und KTL (Klassifizierung therapeutischer Leistungen) entsteht eine zunehmend sensitive Therapieatmosphäre mit Leistungsdruck und Existenzangst. Der Raum für therapeutischen Austausch und damit die Teamkohärenz mit kollegialer Intervision und „holding-function“ wird in den therapeutischen Teams immer kleiner. Durch ein neues Zeitmanagement mit leistungs- und therapieorientierter Durchstrukturierung der Arbeitabläufe verändert sich nicht nur der therapeutische Rahmen, sondern auch die Kapazität für therapeutische Anleitung, methodische Orientierungshilfe und notwendiger Aus-, Fort- und Weiterbildungszeit innerhalb der Arbeitsabläufe. 

Durch die steigenden wirtschaftlichen und organisatorischen Anforderungen an die Therapeuten bei gleichzeitig weniger therapeutischem Raum und methodischer Orientierungsmöglichkeit wird die Position des klinische n Leiter s ebenfalls immer stärker belastet. Aus der gesamten Verunsicherung wird der klinische Leiter als strukturbildende und beispielgebende Führungsperson zunehmend notwendiger, um den therapeutischen Raum neu zu organisieren. Das Paradoxon trifft jedoch auch den klinische n Leiter, meist als Chefarzt einer jeweiligen Klinik. Er wird in seiner Arbeit immer mehr funktionalisiert durch die Zertifizierungsüberwachung, die Vorgaben der Träger, die therapeutischen Leistungsvorgaben der Beleger und die veränderte Patientensituation. Die Patienten werden kränker, anspruchsvoller und beschwerdefreudiger. Sie sind weniger bereit zur Konfliktarbeit, sondern erwarten Lösungsvorgaben zur Symptomverbesserung. Der klinische Leiter, der sich durch seine organisatorische Funktionalisierung immer mehr vom therapeutischen Prozess und den Patienten entfernt, wird jedoch aufgrund dieser Gesamtentwicklung umso mehr zur Organisation und Lösung dieser schwierigen Therapiefragen gebraucht. Er steht zwischen dem Team und der Psychotherapieorientierung einerseits und den Träger- und Belegervorgaben andererseits und damit zwischen seiner therapeutischen Funktion und den Verwaltungsaufgaben. Außerdem kommt er im Rahmen einer Leistungsbegutachtung vor allem bei Berentungsfragen unter einen inneren Druck zwischen Behandlung und Begutachtung eines Patienten. 

Die Gesamtsituation der psychotherapeutisch-psychosomatischen Rehabilitationsklinik zeigt damit eine zunehmende Belastung im therapeutischen Milieu mit komplizierten, vorgegebenen und überwachten Beziehungsstrukturen, bei gleichzeitig kränkeren Patienten und schwierigeren Therapiebedingungen. Dieses Spannungsfeld macht die Beziehungsleitung und Klärung und damit auch die therapeutische Orientierung durch den Chefarzt eher noch notwendiger als früher. Einer muss in der Verunsicherung den Durchblick haben, muss es wissen und können, wie im Dirigentenstatus, muss steuern, wo es langgehen soll und muss an der entscheidenden Nahtstelle zwischen therapeutischem Raum und realen Sachzwängen von Trägern und Belegern zu einem Kompromiss finden. Die Situation ist eher vergleichbar mit der eines Architekten, der in seiner Planung und Bauleitung umso effizienter und effektiver arbeiten muss, je schlechter ausgebildet und problematischer die Gewerke und Handwerker arbeiten, sonst entstehen erhebliche Baumängel. 

Klinische Leiter - das neue Anforderungprofil

Daraus ableitbar ist ein neues Anforderungsprofil an einen klinische n Leiter und Chefarzt einer psychotherapeutisch-psychosomatischen Rehabilitationsklinik, vor allem in einer tiefenpsychologisch fundierten bzw. analytisch begründeten Orientierung.

Der klinische Leiter braucht zunächst eine fachliche fachärztliche Kompetenz als Facharzt für psychosomatische Medizin und Psychotherapie oder Psychiatrie oder in mehr somatischer Orientierung als Internist oder Allgemeinmediziner.

Darüber hinaus braucht der klinische Leiter genügend spezielles psychotherapeutisches Wissen über Beziehungsstrukturen mit den projektiven Verarbeitungsmechanismen einer Großgruppe und den Problemen der Übertragung und Gegenübertragung im therapeutischen Raum, um die zunehmenden Spannungen und paradoxen Gegensätze im therapeutischen Geschehen zu klären.

Um dieses zu ermöglichen, benötigt der klinische Leiter eine ausreichende Kenntnis und Klärung seiner eigenen „seelischen Anatomie“, seiner eigenen unbewussten innerseelischen Position und Begrenztheit durch eine entsprechende, fundierte und ausgiebige Selbsterfahrung. 

Diese Voraussetzung, nicht nur einer somatischen Facharztqualifikation, sondern einer fundierten psychotherapeutischen Aus- und Weiterbildung in Theorie und Selbsterfahrung sollte in der zunehmend wichtiger werdenden Position des Leiters, entsprechend seiner Bedeutung und Verantwortung institutionsunabhängig und qualifiziert erworben werden, z. B. im analytischen Bereich in einem der Institute unter der Dachorganisation der DGPPT (Deutsche Gesellschaft für Psychoanalyse, Psychotherapie , Psychosomatik und Tiefenpsychologie), der DPG (Deutsche psychoanalytische Gesellschaft) oder der DPV (Deutsche Psychoanalytische Vereinigung). Nur so kann auch bei den zunehmend steigenden Anforderungen an den klinischen Leiter mit der Belastung der paradoxen Positionen, der Therapieerfolg gesichert werden, die Berufszufriedenheit und Gesundheit der Therapeuten und des Leiters erhalten bleiben und die wichtige Funktion des Leiters für seine Therapeuten in der Anleitung, Supervision und strukturierten Aus- und Weiterbildung qualifiziert umgesetzt werden. 

Dr. med. P. Bernhard

Animationen animierte Augen

Weitere Medizinische Informationen und Links für Patienten und Interessierte - von Adipositas bis Zwangsneurosen finden Sie hier.


Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten steht Ihnen unser Chefarzt im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in unserer Privatambulanz.

Sagen Sie uns ruhig mal Ihre Meinung!
Oder stellen Sie Ihre Fragen...
und klicken Sie hier...

Sie möchten diesen Artikel ausdrucken? Markieren Sie den gewünschten Text, gehen Sie in der Symbolleiste auf "Datei", dann auf "Drucken", danach "Markierung" anklicken und dann erst drucken, denn sonst verlieren Sie durch die nachfolgende Themenübersicht unnötiges Papier.

Aktualisiert: Juli 2010

Weitere Informationen zu Krankheiten finden Sie bei der Wicker-Gruppe unter www.informationen-zu-krankheiten.de. Info-Material zur Klinik anfordern: www.wicker-gruppe.de/infomaterial-anfordern.html

 Weitere Fragen? Ihre Meinung?
Schicken Sie uns eine Email

HARDTWALDKLINIK II
Hardtstr. 32 · 34596 Bad Zwesten / Hessen
Telefon (0 56 26) 88-0 · Telefax (0 56 26) 88-11 11

· Impressum · Anfahrt

Kostenfreie Servicenummer 0800 / 9 14 63 60

Haftungshinweis:
Für die gemachten Angaben wird keine Gewähr übernommen; im Einzelfall ist immer ein Arzt zu konsultieren! Trotz sorgfältiger inhaltlicher Kontrolle übernehmen wir keine Haftung für die Inhalte externer Links. Für den Inhalt der verlinkten Seiten sind ausschließlich deren Betreiber verantwortlich.